Elternarbeit

Bei unserem dritten Gespräch reden wir u.a.

  • über Eltern als Verbündete oder Gegner,
  • unsere Haltungen gegenüber Eltern,
  • wie man ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis zu Eltern aufbauen kann,
  • miteinander mit Eltern arbeiten,
  • Faktoren, um konstruktive beratende Elterngespräche zu führen,
  • und Konfliktgespräche nicht eskalieren zu lassen,
  • über den „richtigen Ton“ bei Gesprächen
  • und auch darüber, weshalb manche Gespräche einen „faden Beigeschmack“ bekommen können

Viel Vergnügen!


Schulplausch offline hören:

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Im Gespräch erwähnt Herr Plausch bei ca. 16.00 min ein Buch. Es heißt richtig: „Gesprächsführung mit Eltern“ von Gernot Aich und Michael Behr im BELTZ-Verlag.

Lesetipp:
Prior & Winkler: MiniMax für Lehrer: 16 Kommunikationsstrategien mit maximaler Wirkung

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Frau Schul, hallo Herr Plausch,

    im Gespräch haben Sie mehrmals erwähnt, dass Eltern Experten für ihre Kinder seien. Grundsätzlich kann ich da mitgehen, aber es gibt auch Eltern, die genau die Verhaltensweisen oder Schwierigkeiten ihres Kindes komplett abstreiten oder ablehnen und nicht akzeptieren können. Entweder, weil das Kind sich zu Hause ganz anders zeigt oder weil das eben ein wunder Punkt ist, den sie zwar kennen aber nicht offen aussprechen wollen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. In diesen Fällen spreche ich den Eltern das Experte-Sein zu einem gewissen Grad ab.

    Dass Kinder mitunter/meist in einer Gruppe anders auftreten als in der vertrauten häuslichen Umgebung eventuell allein ohne weitere Geschwister … ist doch ganz normal. Trotzdem erlebe ich Eltern, die das nicht glauben wollen oder können. Wo können sie dann Experten sein?

    Zum Thema Beratung und Ratschläge … würde ich gern noch hinzufügen, dass ich hier ganz oft Eltern erlebe, die schon viel versucht haben und dann bewusst mit dem Wunsch nach Ratschlägen kommen. Eltern, die das Gespräch nicht initiiert haben und also eingeladen wurden, weil es etwas zu besprechen gibt, erwarten natürlich erstmal keine Ratschläge oder Hilfestellung sondern Information. Aber dann auch gleich einen Lösungsweg, oder? Ich kann doch die Eltern nicht gehen lassen ohne ein weitere Vorgehen besprochen zu haben?! Da aber wir uns ja dann schon länger mit der jeweiligen Thematik befasst haben, sind wir doch natürlich auch die, von denen Eltern Vorschläge erwarten, oder? Wie sollen Eltern denn ad hoc mit Ideen kommen?

    Sie sehen uns außerdem meist als die an, die das ganze „gelernt“ haben und deshalb Wege kennen sollen. Ich habe kein Problem damit (nun inzwischen), Eltern auch offen zu sagen, wenn ich nicht mehr weiter weiß und nur weiterhin mein Bemühen bekräftige. Aber dazu gehört auch ein gewisses Standing, was viele Lehrer nicht haben, weil sie glauben, sich eine Blöße zu geben.

    Schlimm finde ich Gespräche, wo Eltern rundum Vorwürfe verteilen, weil sie glauben, man wolle ihrem Kind bewusst schaden. Auch Eltern, die das direkte Gespräch mit dem betroffenen Lehrer scheuen und gleich ohne Ankündigung zum Schulleiter rennen und anschwärzen, sind schlimm. Da braucht es einen starken Schulleiter, der zwar offen und gesprächsbereit ist, aber erstmal zurückverweist und nicht gegen sein Kollegium agiert, weil Eltern grundsätzlich Recht haben.

    Also, es ist ein weites Feld, sicher eines, wo Lehrerausbildung und auch Fortbildung zumindest in meinem Raum zurückhängt und Lehrer wenig vorbereitet werden. man lernt tatsächlich mehr an seinen eigenen Erfahrungen und mit Versuch/Irrtum … Das bereitet auch Schmerzen und kostet Nerven und sorgt für Zweifel.

    Im letzten Schuljahr hatten wir eine tolle schulinterne Fortbildung mit der Autorin dieses Buches „Lernförderung im Team“. Darin geht es u.a. auch um die Thematik Beratungsgespräche und Fallbesprechungen. Es gibt auch eine Seite dazu http://www.individuelle-lernförderung.de und ein Akrostichon, wenn mal wieder ein schwieriges Gespräch nicht schlafen lässt.

    Alles
    Nur
    Gedanken
    Statt
    Tatsachen

    Beste Grüße

    cubi

    • Liebe Cubi,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine ausführlichen Gedanken zum Thema.

      Wir denken, dass Gespräche mit Eltern über ihre Kinder von einem ganz zentralen Punkt abhängen: meiner Haltung und Einstellung dem Gesprächspartner gegenüber.

      Ausgehend davon erscheint es uns hilfreich, sich einige Punkte klar zu machen:

      – Wie nehme ich mich selbst gegenüber dem Elternteil wahr? Fühle ich mich kompetent / überfordert / hilflos etc.? Wie habe ich mein Gegenüber bisher wahrgenommen? Stehe ich ihm eher offen gegenüber? Habe ich Vorurteile? Was hat mich geärgert? Woran könnte das liegen? etc. Wie ist meine Grundposition / Grundeinstellung dem Gesprächspartner gegenüber? (Dies alles wird sehr ausführlich im o.g. Buch von Aich & Behr erläutert.)

      – Welche Erwartungen habe ich an das Gespräch? Welche Erwartungen hat eigentlich mein Gegenüber? (Das kann ich durchaus erfragen!)

      – Um was genau bzw. um wen geht es in dem Gespräch: Kind, Eltern, Unterricht, Lehrer…?

      – Geht es um das Lernen oder das Verhalten des Kindes? a) Macht mir das Verhalten des Kindes Probleme oder geht es um Probleme, dass das Kind mit mir / meinem Unterricht hat? Wo könnte mein Zutun liegen? b) Macht mir das Lernen des Kindes Sorgen? Wo könnte mein Zutun liegen?

      – Kann ich (objektive) konkrete Beobachtungen/ Beispiele beschreiben?

      – Eltern sind(!) Experten für ihr Kind. Ich kann von Experten Hilfe erwarten. Hierbei sollte ich die Wahrnehmung der Eltern von ihrem Kind ernst nehmen und sie zu nutzen versuchen, auch wenn sie sich mit meinen Wahrnehmungen des Kindes im Unterricht und in der Klassengemeinschaft ggfs. nicht deckt. Das sind zwei völlig verschiedene soziale Umfelder, die zu unterschiedlichen Verhaltensweisen des Kindes führen (können). Das Elternteil zu respektieren / wert zu schätzen, auch wenn es einem schwierig fallen mag, ist die Grundvoraussetzung für Beratungsbeziehungen.

      – Wiederum bin ich(!) beim Thema Lernen Experte. Hier können Eltern von mir fachlich fundiertes Wissen erwarten.

      Für produktive Lehrer-Eltern-Gespräche bedarf es eines kommunikativen Know-Hows, das weit über formale Gesprächstechniken hinaus geht. Hierauf sollte unserer Meinung nach viel mehr Wert in der Lehrerausbildung gelegt werden. Denn Elternarbeit nimmt immer mehr Raum in unserem Beruf ein!

      Letztlich muss ich mir auch bewusst sein: Ich kann die Welt (nicht jedes Kind) retten! Du beschreibst es sehr deutlich. Wir müssen uns eingestehen, dass wir nicht für alles eine Lösung haben. Hier müssen manche Lehrer von ihrem hohen Ross herunter kommen, sich von ihrer selbst auferlegten(?) Verantwortung lösen. Als Lehrer stehe ich gehörig unter Druck, wenn ich davon ausgehe, jedem einen Rat / eine Lösung anzubieten und vor allem davon auszugehen, dass ich für jeden DIE richtige Lösung habe. Das müssen wir doch gar nicht. Können wir uns manchmal nicht auch eingestehen, an manchen „Herausforderungen“ schlicht und ergreifend zu scheitern?

      Ein englisches Sprichwort besagt: „You can lead a horse to the water whole, but you can’t make it drink.“

      Bei den „schwierigen Fällen“ können wir immer nur mit den Eltern gemeinsam nach einem weiteren Vorgehen suchen, das dem Kind hilft und es weiterbringt. Wir verweisen hier auf unser Gespräch bei Außerschulische Hilfen. Ohne die Bereitschaft von beiden Seiten(!) können die „schwierigen Fälle“ nicht gelöst werden. Es kann von Vorteil sein, außerschulische Hilfen hinzuziehen oder auch durch kollegiale Fallberatung mehr Expertenwissen zu bekommen. Auch das setzt wiederum und zuallererst an unseren Einstellungen und Haltungen an, da es Offenheit von uns abverlangt. Zusätzlich aber, auch darauf gingen wir in unserem Gespräch ein, erfordert es die Bereitschaft, Zeit zu investieren, wo wir wieder am Anfang wären: Ich kann die Welt / nicht jedes Kind retten.

      Grenzen sind ebenfalls gesetzt, denn nicht alle Eltern lassen sich darauf ein, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Aber auch nicht alle Lehrer sind dazu bereit. Und so enden Gespräche teilweise in Schuldzuweisungen und Fehlersuche beim Gegenüber.

      Die obersten Fragen bleiben dennoch: Was hilft / nützt dem Kind? Auf welche Weise und mit wem könnte das erreicht werden?

      Herzliche Grüße

      Frau Schul & Herr Plausch

  2. Ich hatte mich noch gar nicht für die Antwort bedankt, was ich hiermit tue. Nach diesem Austausch hier stand noch ein schwieriges Elterngespräch an und mit einigen eurer Gedanken im Gepäck verlief es recht gut. Die Eltern sind zugänglicher und vor allem ehrlicher aufgetreten und es entwickelt sich ganz langsam so etwas wie ein Hauch von Vertrauen in unsere Arbeit mit ihrem Kind. Das zeichnet sich auch in den ersten Wochen des laufenden Schuljahres ab. Das Pflänzchen ist klein, und wir hegen es. Vielleicht kriegen wir ja dieses Kind gerettet.

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